Impressionen – Unterwegs in Äthiopien

Wer einmal sein Herz an Äthiopien verloren hat, wird immer wiederkehren wollen, selbst wenn er das Land beinahe wie seine Westentasche kennt. Und er sollte das Land mit dem Auto erkunden. Da ist das Erleben intensiver, direkter – unmittelbar.

Der Nachfolgende Reisebericht und die dazugehörigen Fotos stammen von Ingrid und Hugo Welte. Die Weltes sind inzwischen treue Stammkunden unseres Unternehmens. Bereits mehrmals haben sie unsere Dienste in Anspruch genommen, um Touren in die verschiedenen Regionen Äthiopiens zu unternehmen.

Das Dach von Afrika

Auf der Chinesenstraße von Dessie zum Tanasee meint man zunächst, man komme in die Monoglei – ein baumloses, sanft gewelltes Gelände. Dann entdeckt man rechter Hand plötzlich eine Stelle, wie von einem Riesenbagger ausgefressen. Wir stoppen und gehen die etwa 100 Meter bis an den Rand des Plateaus.

Der Ausblick verschlägt uns den Atem: Die Gebirgsklötze des Semjen staffeln sich hintereinander bis in die bläuliche Ferne - das Dach von Afrika. Tief unter uns Tukuls – die Rundhütten der Bauern wie Pilzkolonien spielzeugähnlich angeordnet. Am Auto haben sich inzwischen Frauen eingefunden, die uns neugierig beäugen. Ein paar liebenswürdige Worte der Begrüßung – da geht ein Staunen über das Gesicht der Frauen, wir hören ein ungläubiges, fragendes „Work“, was übersetzt „Gold“ bedeutet. Die Frauen haben meine überkronten Zähne entdeckt und lassen sich mein Mundinneres zeigen. Das ist nun Gesprächsstoff für den Rest des Tages.

Amba Gishen

Wir wollen endlich einmal die Klosterkirche auf der Amba Gishen besuchen. Die liegt in über 3000 Meter Höhe. Der Weg dorthin in früheren Zeiten nur mit Eseln begehbar, auch für Schwindelfreie eine Herausforderung.

Heute gibt es eine steile Schotterstraße hinauf, engste Kurven, kein Platz für Gegenverkehr. Der Low Gear muss eingeschaltet werden, wozu das Auto kurz anhalten muss. Habtes schmunzelnde Bemerkung „Rumpel die Pumpel – weg war der Kumpel!“ veranlasst mich, die nächsten hundert Meter lieber zu Fuß zurückzulegen. Unvorstellbar, dass sich am Wallfahrtstag, dem 1. Oktober, ganze Wagenkolonnen und sogar Kleinbusse mit Pilgern hier hinaufschieben.

Lalibela

Ein bildhübsches Mädchen serviert uns im ‚Seven Olives’ das Abendessen. Bereitwillig lässt sie sich von uns fotografieren, wir kommen ins Gespräch. Am nächsten Tag erhalten wir eine Einladung in ihr Haus zur Kaffee-Zeremonie, die nicht nur an Festtagen stattfindet.

Über einen steinigen, bergab führenden Weg gelangen wir zu einem bescheidenen, etwa 10 m² großen Raum, der mit uns vier Besuchern beinahe voll ist. In ihrem weißen, hübsch bestickten Baumwollkleid vollführt Hiwan mit anmutigen Gesten die Zeremonie. Wir erleben, wie aus grünen Kaffeebohnen dunkel gerösteter Kaffee, Kaffeepulver und schließlich das aromatische Getränk hergestellt wird, das man uns in kleinen Tässchen serviert. Dass Weihrauch verbrannt wird, gehört mit dazu und gibt der Zeremonie etwas Feierliches. Die beinahe sprichwörtliche Gastfreundschaft erleben wir immer wieder im ganzen Land.

Tanasee

Tanasee

Ein Besuch der Klöster auf den Inseln im Tanasee ist ein Muss. Nicht nur die alten, schön ausgemalten Rundkirchen von Ura Kidane Mehret und Azwa Maryam sind anschauenswert – auch die Bootsfahrt über den See ist ein Erlebnis. Immer wieder begegnen uns unterwegs die flachen Schilfboote, die Tanquas, noch immer das Haupttransportmittel der Uferbevölkerung.

Wir nähern uns einem Tanqua bis auf wenige Meter, um dem Bootsjungen ein paar Birr zu schenken. Dieser legt sich mit seinem Ruder, einem einfachen Stecken, ins Zeug, um neben uns zu bleiben - der Stecken bricht auseinander, der Abstand zu uns vergrößert sich. Wir halten an, bis er uns mit ‚halber Kraft’ erreicht und strahlend ein paar Bonbons und die Birr empfangen hat. Ein letztes Winken – wir setzen unsere Fahrt zum Abay Ras, dem ‚Kopf des Nils’, fort.